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Achtsamkeitsmeditation zur Linderung von Krankheitsbeschwerden

Sich urteilsfrei ganz auf das Hier und Jetzt fokussieren – das ist das Prinzip der Achtsamkeitsmeditation. Diese Praxis hilft vielen Patienten, mit ihrer körperlichen oder psychischen Krankheit besser umzugehen.

Als Horaz sein berühmtes Carpe diem verfasste, war dem Dichter sicher nicht bewusst, dass er damit das Prinzip der Achtsamkeitsmeditation postulierte. Sie wurde 1959 vom Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn begründet und orientiert sich an der buddhistischen Meditation und am Yoga. Gleichzeitig bricht sie jedoch auch mit beiden Praxen, da ihr die spirituelle Zielsetzung fehlt. Ziel der Achtsamkeitsmeditation ist es, Patienten mit speziellen Programmen zu helfen.

Das Prinzip der Achtsamkeitsmeditation liegt darin, die Aufmerksamkeit ganz auf das Hier und Jetzt zu richten, ohne es zu beurteilen. Sie ist praktisch das Gegenteil des als „Autopilot“ bezeichneten Zustands, bei dem unsere Aufmerksamkeit ständig unbewusst zwischen verschiedenen Gedanken hin- und herspringt. Durch Achtsamkeitsmeditation können wir den Alltag hinter uns lassen und zu innerer Freiheit finden, indem wir uns von unseren Reaktionen und Emotionen distanzieren.

DIE LEBENSQUALITÄT DES PATIENTEN ERHÖHEN

Viele Universitätskrankenhäuser bieten ihren Patienten Kurse in Achtsamkeitsmeditation (oder Mindfulness) an. Die Praxis ist nicht auf Heilung ausgerichtet, sondern auf die Reduzierung von Stress, Ängsten oder den depressiven Symptomen, die mit einer Krankheit einhergehen können. Sie wird als Begleitung körperlicher Krankheiten wie Krebs oder chronischen Erkrankungen, aber auch bei psychischen Störungen empfohlen, da sie den Praktizierenden in die Lage versetzt, Zeuge seiner eigenen Gedanken, Gefühle und Reaktionen zu sein. Zahlreiche Studien belegen, dass sich der mentale Zustand von Teilnehmern an Achtsamkeitsprogrammen verbessert. Die Wirksamkeit konnte unter anderem bei Suchterkrankungen sowie bei Ess- und Schlafstörungen und dem Borderline-Syndrom nachgewiesen werden. Je nach Krankheit gibt es spezifische Achtsamkeitsprogramme.

DEPRESSIVE SCHÜBE VERMEIDEN

Als besonders wirksames Mittel gegen Rückfälle bei Depressionen hat sich die auf Achtsamkeit basierende kognitive Therapie bewährt. Nach zwei oder drei solcher Rückfälle kann eine Depression auch ohne grossen Stressfaktor ausgelöst werden, einfach nur infolge einer leichten und vorübergehenden Verschlechterung der Laune. Die meisten Betroffenen versuchen dann, die Ursache ihres Zustands zu verstehen und das Problem zu lösen. Doch dadurch kommt das Gedankenkarussell erst recht in Fahrt. In der Folge treten Rückfälle in die Depression immer häufiger auf. Die Achtsamkeitsmeditation ist ein probates Mittel, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, da sie den Patienten das Gedankenkarussell erkennen lässt. Die Teilnehmer werden aufgefordert, ihre Gedanken mit sachlichem Interesse zu beobachten, ohne auf sie zu reagieren und ohne darauf zu warten, dass sie weiterziehen. Mehrere voneinander unabhängige Studien haben die Wirksamkeit dieser Technik bestätigt. Schätzungen zufolge führt sie zu einem um 50 % reduzierten Rückfallrisiko – das entspricht der Wirksamkeit von Antidepressiva.

Achtsamkeitsmeditation ist sicher kein Wundermittel, aber sie erleichtert den Umgang mit einer Krankheit. Forschungen kommen zu dem Ergebnis, dass sogar Funktion und Grösse des Gehirns beeinflusst werden. Neurowissenschaftliche Studien zum Thema stecken zwar noch in den Kinderschuhen, haben jedoch längst das Interesse am Prinzip Mindfulnessgeschärft.

ACHTSAMKEITSMEDITATION: SO GEHT’S

Achtsamkeitsmeditation können Sie sich ganz einfach selbst aneignen. Wie bei jeder anderen neu erlernten Technik sind auch hier Zeit und Übung entscheidend. Menschen mit klinischen Beschwerden, die sich Linderung durch Meditation erhoffen, raten wir unbedingt zur Teilnahme an einem von einem Trainer geleiteten Programm. Auf den Webseiten des MBSR-Verbands der Schweiz (mbsr-verband.ch) und des Vereins zur Entwicklung der Mindfulness (association-mindfulness.org) finden Sie eine Übersicht von Trainern mit entsprechender Fachausbildung. Die Kosten für einen achtwöchigen Kurs belaufen sich auf etwa 600 Franken.

Sie möchten die Meditation lieber selbst erlernen? Wählen Sie dafür einen ruhigen Ort und setzen sie sich bequem und aufrecht hin. Atmen Sie gleichmässig und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Atmung, ohne diese zu verändern. Beobachten Sie dabei Ihre Gefühle. Vermutlich wird ihre Aufmerksamkeit durch einen Gedanken oder ein Gefühl von der Atmung abgelenkt. Das ist ganz normal. Nehmen Sie diese Ablenkung einfach zur Kenntnis, ohne Schuldgefühle und ohne Interpretationsversuche. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit erneut auf Ihre Atmung. Beginnen Sie mit 10 Minuten am Tag. Erhöhen Sie die Dauer zunächst auf 15, dann auf 20 Minuten. Beobachten Sie Ihre Erfahrungen und seien Sie geduldig.

Quelle: www.planetesante.ch / Illustration: Freepik