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Die fünf häufigsten Zwangsstörungen

Zwangsstörungen gehören zu den psychiatrischen Störungen, die in den meisten Fällen während der Pubertät zum ersten Mal auftreten. Die Betroffenen leiden an einem inneren Zwang bzw. einem unwiderstehlichen Drang, der mit panischer Angst, Unbehagen oder Ekel verbunden ist. Zwangsgedanken bzw. Zwangshandlungen äussern sich meist in Form von Ritualen und können über mehrere Stunden anhalten. Nachfolgend haben wir die geläufigsten Zwangsstörungen kurz beschrieben: 

REINIGUNGS- UND WASCHZWÄNGE
Menschen, die an dieser Zwangsstörung leiden, haben übermässige Angst oder empfinden Ekel vor Körperflüssigkeiten oder -ausscheidungen aller Art sowie vor Bakterien, Viren, Umweltschadstoffen, Abfall, Insekten, Keimen usw. Allein der Anblick bzw. ein äusserer Reiz kann genügen, um eine Krise auszulösen. Der physische Kontakt mit einer Verunreinigung veranlasst die betroffene Person aus Angst, sich anzustecken oder schmutzig zu werden, zu übertriebenen Waschritualen: Sie hat das unwiderstehliche Bedürfnis, mehrmals täglich ausgiebig zu duschen und sich ständig die Hände zu waschen. Solche Menschen neigen ebenfalls dazu, ihr Zuhause unentwegt zu putzen.

KRANKHAFTER ZWEIFEL UND ZWANGSBEFÜRCHTUNGEN
Die betroffenen Personen haben permanent Angst, etwas vergessen und/oder einen Fehler gemacht zu haben. Diese Form der Zwangsstörung äussert sich darin, dass die Betroffenen alles systematisch und übertrieben oft kontrollieren. Krankhafter Zweifel geht häufig mit mehr oder weniger zwingenden Kontrollritualen einher, die gemäss einer genauen Abfolge ausgeführt werden. Die Patienten überprüfen beispielsweise fünfmal hintereinander, ob sie die Tür richtig abgeschlossen haben, und können dieses Ritual bei grosser Angst auch mehrmals wiederholen. Andere lesen einen Text zehnmal durch, weil sie befürchten, einen Fehler übersehen zu haben.

MAGISCHE GEDANKEN UND ABERGLAUBE
Menschen, die an dieser Zwangsstörung leiden, sind von der Angst besessen, dass sie ihren Mitmenschen Unglück bringen oder gar ein schreckliches Ereignis auslösen könnten. Sie sind fest davon überzeugt, dass eine bestimmte Zahl, eine Farbe oder ein Zeichen eine Katastrophe herbeiführen kann. Diese zwanghaften Gedanken haben oft einen religiösen bzw. spirituellen Hintergrund: Angst vor Blasphemie, Angst, ein Sakrileg zu begehen, ständige Unterteilung in „Gut“ und „Böse“ … Die zwanghafte Angst vor Unglück sowie Aberglaube werden häufig von beschwörerischen Ritualen begleitet, die in Form von Wiederholungen einer Handlung (beispielsweise muss ein bestimmter Gegenstand dreimal hintereinander berührt werden), eines Wortes oder eines Zählzwangs (Arithmomanie) erfolgen können.

ZWANGHAFTES BEDÜRFNIS NACH SYMMETRIE UND GENAUIGKEIT
Menschen, die an dieser Form der Zwangsstörung leiden, haben ein starkes Bedürfnis nach der geometrischen Anordnung von Gegenständen, sind extrem ordnungsbewusst und räumen ständig auf. Dieser Ordnungswahn geht mit Anordnungs- und Prüfritualen einher: Jedem Gegenstand wird ein ganz bestimmter Platz zugeordnet, alles muss symmetrisch sein. Manche Betroffene verbringen darüber hinaus viel Zeit damit, jedem Gegenstand den richtigen Platz zuzuweisen. Ein Objekt, das nicht an seinem Platz ist, kann bei solchen Menschen panische Angst hervorrufen und mitunter unsinnige Gedanken auslösen, wie zum Beispiel: «Wenn dieser Gegenstand nicht an seinem Platz ist, wird sich ein Unfall ereignen». Das zwanghafte Bedürfnis nach Symmetrie und Genauigkeit kann auch dazu führen, dass die Betroffenen sich selbst verbieten, bestimmte Gegenstände zu berühren bzw. zu verwenden.

HORT- UND SAMMELZWÄNGE
Vom Hort- und Sammelzwang betroffene Menschen haben Angst davor, versehentlich etwas Wertvolles oder Wichtiges wegzuwerfen, wobei es ihnen schwer fällt, zwischen wichtigen und wertlosen Sachen zu unterscheiden. Sie horten unnütze Gegenstände und mitunter sogar Müll, sammeln stapelweise Prospekte, alte Zeitschriften oder andere Dinge. Manche Patienten fokussieren sich auf eine bestimmte Art von Gegenständen, andere sammeln wahllos alles, was ihnen zwischen die Finger kommt. Allein der Gedanke, sich von Gegenständen trennen zu müssen, ruft bei ihnen grosse Angst hervor.

Quelle: www.passeportsante.org / Abbildung: Freepik, Rawpixel.com