• Italienisch
  • Französisch
  • Deutsch


  Contact : 021 802 00 19

Die wohltuende Wirkung der Höhenluft

Im Gebirge zu leben oder dort den Urlaub zu verbringen wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus, vor allem, wenn man sich dabei bewegt. Besonders vorteilhaft sind Bergaufenthalte für Personen, die an Übergewicht oder Bluthochdruck leiden, aber auch für ältere Menschen.

Einer landläufigen Meinung zufolge wird das Gebirge oft mit Gefahren für die Gesundheit in Verbindung gebracht. Tatsächlich nimmt der atmosphärische Druck – d. h. die Konzentration der in der Umgebungsluft enthaltenen Sauerstoffpartikel – mit zunehmender Höhe ab, sodass Lungen und Körper eine geringere Sauerstoffmenge als in der Ebene zur Verfügung steht. Dieses Phänomen wird mit «hypobarer Hypoxie» bezeichnet. Zum Ausgleich dieses Sauerstoffmangels beschleunigt sich die Atmung. Dies führt zu einer Hyperventilation, welche mit einer Abnahme des Kohlenstoffdioxid-Partialdruckes (pCO2) in den Blutgefässen einhergeht (Hypokapnie). Auch die Gefahr von Schlafapnoe und Bluthochdruck steigt, wenn man im Hochgebirge übernachtet.

Wer schon einmal eine Nacht in einer Berghütte in 3’000 m Höhe verbracht hat, erinnert sich vielleicht noch an die Symptome der sogenannten Höhenkrankheit: Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlaflosigkeit oder Schwindel. Und in über 4’000 m Höhe besteht sogar die Gefahr eines Lungen- und Hirnödems.

GEWICHTSVERLUST

In moderaten Höhenlagen (zwischen 1’000 und 1’800 m) hat der Abfall des Sauerstoffdrucks der Umgebungsluft jedoch mehrere positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Ähnlich wie bei Spitzensportlern, die zur Steigerung ihrer Leistungen unter hypoxischen Bedingungen, d. h. unter unzureichender Sauerstoffversorgung des Körpergewebes trainieren, werden durch den Druckabfall bestimmte Mechanismen im Körper ausgelöst.

Man braucht jedoch kein Hochleistungssportler zu sein, um von diesen gesundheitlichen Vorteilen zu profitieren. Wer sich unter Hypoxie-Bedingungen körperlich betätigt, fördert die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung seiner Muskeln sowie die Entspannung der Blutgefässe. Gerade bei Personen, die unter Bluthochdruck leiden, kann sich das sehr positiv auswirken. Obwohl der Bluthochdruck normalerweise mit zunehmender Höhe ansteigt, nimmt er im Gegenteil bei kurzer Verweildauer im Gebirge ab. Bereits ein dreitägiger Aufenthalt in 2’500 m oder einige Stunden in 4’500 m Höhe bewirken eine Senkung des Blutdrucks. Darüber hinaus gibt es wohl kaum ein effizienteres Mittel zur Bekämpfung von Übergewicht als das Gebirge. Übergewichtige Personen, denen schnelles Laufen oder allein schon längeres Gehen ohne Schmerzen schwerfällt, können ihren Energieverbrauch durch körperliches Training in Höhenlagen erheblich steigern. Da Sauerstoffmangel (Hypoxie) überdies den Appetit zügelt, kann er potenziell zum Abbau von Körperfett und somit zur Gewichtsreduktion beitragen.

Aber das ist noch nicht alles, denn der Aufenthalt im Gebirge lindert ebenfalls entzündliche Prozesse, erhöht die Elastizität der Arterien und verbessert die Insulinempfindlichkeit von Diabetikern. Darüber hinaus konnte in Studien nachgewiesen werden, dass der Anteil von  fettleibigen Personen bei Bevölkerungsgruppen, die in über 1‘000 m Höhe leben, geringer ist als im Flachland.

RÜCKGANG DER STERBLICHKEITSRATE 

Des Weiteren scheinen Aufenthalte in Höhenlagen mehrere mit dem Alterungsprozess verbundene Erkrankungen zu verzögern bzw. ihre Entwicklung zu hemmen, da kardiovaskuläre Risikofaktoren durch die Bergluft reduziert und gleichzeitig die körperliche Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden gesteigert werden. In einer von Forschern der Universität Zürich durchgeführten Studie mit mehr als anderthalb Millionen Schweizerinnen und Schweizern konnte nachgewiesen werden, dass sich das Sterblichkeitsrisiko infolge von Herzinfarkt bei in mittleren Höhenlagen lebenden Personen um 22 % und infolge von Schlaganfall um 12 % reduziert. Ein österreichisches Forscherteam konnte einen Rückgang der Mortalitätsrate durch Darmkrebs bei Männern und durch Brustkrebs bei Frauen beobachten. Ähnliche Ergebnisse wurden in Studien erzielt, die in den USA durchgeführt wurden.

Wer nicht das Glück hat, im Gebirge zu leben, sollte sich zumindest zeitweise dort aufhalten. Und Menschen, die im Flachland leben,  wird empfohlen, eher in den Bergen als am See entlang zu wandern oder zu joggen.

PRAKTISCHE RATSCHLÄGE

Wer von der schützenden Wirkung des Gebirges auf Herz und Gefässe bzw. ganz allgemein auf den Körper profitieren möchte, dem wird empfohlen, in 1’000 m bis 1’500 m Höhe sportliche Aktivitäten mässiger Intensität zu betreiben, wie z. B. Klettern, Lauftraining, Nordic Walking, Skilanglauf, Mountainbike oder Schwimmen. Dabei sollten zwischendurch intensivere Übungssequenzen eingelegt werden, wie den Hang hinauf zu laufen oder bergan zu wandern. Ältere Menschen könnten z. B. ein paar Schritte schneller gehen.

Personen, die an Bluthochdruck leiden, wird geraten, ihre Aufenthaltsdauer in den Bergen zu begrenzen, und Menschen mit starkem Übergewicht wird empfohlen, mit geringer Intensität zu trainieren und das Bergablaufen zu vermeiden. Senioren sollten für längere Bergaufenthalte mittlere Höhenlagen bevorzugen.

Quelle: www.planetesante.ch / Abbildung: Freepik