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Kunsttherapie zur Entfaltung schöpferischer Ressourcen

Wir leben in einer Welt, in der Konkurrenz, persönlicher Erfolg und Leistung hoch im Kurs stehen. Die Suche nach dem Sinn des Lebens und die komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb der Gesellschaft sorgen oft für erheblichen Stress, der zur Entstehung neuer Krankheiten oder zur Verschlechterung der Lebensqualität beiträgt. Der Druck, der auf jedem Einzelnen lastet, wird immer höher und wirkt sich nicht nur auf die Gefühle, sondern auch auf die körperlichen Empfindungen und die Kreativität des Individuums negativ aus.

Bei kranken oder behinderten Menschen sind die kreativen Fähigkeiten beeinträchtigt. Es handelt sich jedoch genau um jene Fähigkeiten, die den Menschen helfen können, ihre Probleme zu überwinden bzw. sie zumindest aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, ihre Lebenseinstellung und die Erwartungen an ihre persönliche Zukunft zu hinterfragen sowie neue Bewältigungs- und Behandlungsstrategien zu entwickeln.

Der in die Therapie eingegliederte kreative Prozess ist wahrscheinlich das beste Mittel, um die körpereigenen Selbstheilungskräfte und das individuelle Entwicklungsvermögen zu entfalten. Diese Behandlungsmethode nennen wir «Kunsttherapie».

Dank ihrer ganzheitlichen Ausrichtung ist die Kunsttherapie in der Lage, sämtliche Existenzebenen einer Person zu mobilisieren, um Selbstverwirklichung, Kreativität und Lebenseinstellung in einem einzigen therapeutischen Ansatz miteinander zu verbinden. Ausgehend von der Wahrnehmung und der Form, in der sich das Leid des Patienten äussert, – im Allgemeinen körperliche Schmerzen oder Emotionen, die verbal zum Ausdruck gebracht werden – wird ein kreativer Prozess eingeleitet (Zeichnen, Modellieren, Musik, Bewegung, Bühnenspiel…). Dieser Prozess geht über den Ausdruck des Leids in Form von Bildern oder anderen sensiblen Ausdrucksformen hinaus und bietet dem Patienten Gelegenheit, neue Ressourcen zu erschliessen, um sein Problem bewältigen oder sich mit seinem Leid auf kreative Weise auseinandersetzen zu können.

Bei der Kunsttherapie geht es weder darum, das in einfühlsamen Formen zum Ausdruck gebrachte Leid zu «analysieren» noch zu «interpretieren», sondern sich vielmehr in die in Gang gesetzten Entwicklungs- und Behandlungspotentiale einzufühlen, um sie  zu aktivieren. Alles, was während einer Kunsttherapie-Sitzung zum Ausdruck gebracht und ausprobiert wurde, wird anschliessend mit dem Kunsttherapeuten besprochen, um gemeinsam zu überlegen, wie die erlangten Erkenntnisse nutzbringend zur Problembewältigung im Alltag eingesetzt werden können.

Die Kunsttherapie bietet dem Patienten also nicht nur die Möglichkeit, eine problematische Situation oder eine Krankheit klar zu formulieren, sondern auch Gelegenheit, seelische Ausgeglichenheit und Gesundheit zu erfahren.

Für wen ist die Kunsttherapie bestimmt?
– Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senioren
– Migranten
– Sozial benachteiligte bzw. ausgegrenzte Personen
– Personen mit psychiatrischen Störungen
– Personen mit geistiger und/oder sensomotorischer Behinderung
– Personen mit psychologischen und Beziehungsproblemen
– Personen mit somatischen Erkrankungen
– Inhaftierte Personen
– Opfer von Gewalttaten

Quelle: Jacques Stitelmann, Kunsttherapeut und Psychotherapeut, Gründer und Leiter des Ausbildungsinstituts L’Atelier (www.l-atelier.ch) / Abbildung: Freepik, Sketchepedia