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Lassen Sie sich nicht von der Grippe überraschen!

Die Grippe erreicht uns in den seltensten Fällen vor Dezember. Somit bleibt noch ein wenig Zeit, um sich über die Krankheit zu informieren und sich eventuell impfen zu lassen. Wir haben die Präsidentin der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, Dr. Claire-Anne Sigriest, gebeten, einige Fragen zu diesem Thema zu beantworten.

WAS IST EINE GRIPPE EIGENTLICH GENAU?
Grippe ist eine durch das Influenza-Virus verursachte Infektion. Das Atemwegsvirus verursacht in den meisten Fällen eine laufende Nase, Fieber, Muskelschmerzen, Schnupfen und Husten.

WIE WIRD EINE GRIPPE IDEALERWEISE BEHANDELT?
Bei gesunden Personen ist nicht viel zu tun, es sei denn, durch Eingrenzen der Entzündungsreaktion bzw. durch fiebersenkende Massnahmen maximales Wohlbefinden anzustreben. Tatsächlich ist es sehr wichtig, hohes Fieber mit allen verfügbaren Mitteln zu senken: viel trinken, sich ausruhen und geduldig abwarten, bis die Infektion abklingt. Das Problem der Grippe ist nicht die Erkrankung selbst, sondern vielmehr die Komplikationen, die sie bei sehr jungen, sehr alten oder stark gefährdeten Menschen verursacht, z. B. Schwangeren oder Personen, die an einer anderen Krankheit leiden und dadurch anfällig sind. Bei diesen Personengruppen kann die Grippe verschiedene Krankheiten wie Lungenentzündung oder neurologische Komplikationen hervorrufen. In diesen Fällen ist besondere Vorsicht geboten.

DIE GRIPPE REIST JEDES JAHR EINMAL UM DIE WELT. WELCHER REISEROUTE FOLGT DIE VIRUSGRIPPE?
Sie wird ganz einfach von den Menschen übertragen. Die Grippe entwickelt sich z. B. im Winter in Australien, wenn bei uns Sommer ist (Juli-August). Das Virus wandert dann von Mensch zu Mensch, und sobald ein Virusträger ein Flugzeug, einen Zug oder ein Schiff besteigt, sorgt er für die Weiterverbreitung. Somit begleitet die Virusgrippe die Menschen auf allen ihren Wegen, entwickelt sich im Winter und zieht mit der Jahreszeit von Land zu Land.

WANN ERREICHT SIE DIE SCHWEIZ?
Die Grippe erreicht den Norden Europas gewöhnlich zwischen Dezember und März und dringt über Nordfrankreich in Mitteleuropa ein. Der Weg in die Schweiz führt sehr oft über Genf, bevor das Virus seine Reise in Richtung Osten fortsetzt. Inzwischen ist man in der Lage, den Ausbruch der Grippeepidemie etwa vierzehn Tagen vorherzusagen. Um mehr über ihre Intensität zu erfahren, wird das Verhalten der aktiven Viren in anderen Ländern beobachtet.

FÜR WEN IST DIE GRIPPEIMPFUNG BESTIMMT?
Grippe ist eine manchmal unangenehme, aber beim gesunden Menschen normalerweise harmlose Infektionskrankheit. Die medizinischen Empfehlungen einer Grippeimpfung richten sich an Personen, bei denen die Gefahr von Komplikationen besteht, und an jene, die mit diesen Personen zu tun haben. In der Schweiz wird die Impfung derzeit kranken und besonders gefährdeten Personen empfohlen, sowie schwangeren Frauen (nicht nur, weil die Schwangerschaft ein Risikofaktor für Komplikationen im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel für die Mutter ist, sondern auch, weil die durch eine Impfung gebildeten Antikörper sich auf das Baby übertragen und es somit in den ersten Lebensmonaten vor der Infektion schützen).

Auch alten Menschen wird geraten, sich impfen zu lassen, denn mit zunehmendem Alter lassen die Abwehrkräfte häufig nach, wodurch sich das Risiko von Komplikationen erhöht. Darüber hinaus wird die Impfung allen Personen nahegelegt, die mit weniger als sechs Monate alten Babys in Kontakt kommen, um eine Ansteckung zu vermeiden (unter sechs Monate alte Babys sind gefährdet, können jedoch nicht geimpft werden).

WELCHE NEBENWIRKUNGEN KÖNNEN EINTRETEN?
Die Nebenwirkungen der Impfung sind nicht auf den Impfstoff selbst, sondern auf die von ihm ausgelösten Reaktionen zurückzuführen. In sehr seltenen Fällen handelt es sich um allergische Reaktionen (die bei allen Medikamenten auftreten können), obwohl generell an den beiden Tagen nach der Impfung eine schmerzhafte Entzündungsreaktion an der Einstichstelle beobachtet wird. Die betroffene Stelle kann darüber hinaus rot, warm und geschwollen sein. Bei manchen Menschen kann diese Reaktion mit Kopfschmerzen oder mit einer durch die Entzündung hervorgerufenen Müdigkeit einhergehen. Alle diese Symptome verschwinden innerhalb von zwei bis drei Tagen.

IST DIE VERFÜGBARKEIT EINES UNIVERSALIMPFSTOFFS ABSEHBAR?
Jahr für Jahr muss ein neuer Impfstoff zur Bekämpfung der saisonalen Grippe entwickelt, hergestellt und bereitgestellt werden, was nicht nur viel Zeit in Anspruch nimmt, sondern auch sehr kostspielig ist. Aus diesem Grund hoffen die Forscher, einen Universal-Grippeimpfstoff entwickeln zu können, der über Jahre effizient bleibt, oder zumindest im Gegensatz zu den derzeit verfügbaren Impfstoffen eine längere Immunität verleiht. Derzeit gibt es drei vielversprechende Ansätze, die eine berechtigte Hoffnung auf ein solches Allheilmittel zulassen:

  • Forscher haben entdeckt, dass manche Patienten Antikörper bilden, die sie gegen eine Vielzahl verschiedener Grippeviren schützen. Es geht also darum, einen Impfstoff zu entwickeln, der jedermann in die Lage versetzt, solche Antikörper zu bilden.
  • Eine weitere Strategie besteht darin, ein Hybrid aus Ferritin-Molekülen und den Teilen des Grippevirus, die von unserem Immunsystem erkannt werden (Hämagglutinine) zu entwickeln, um die Wirkung des Impfstoffes zu erhöhen. Dank der Struktur des Ferritins wird das Hybrid von unserem Immunsystem zwischen zehn- und vierzigmal leichter erkannt als ein herkömmlicher Impfstoff. Bisher wurde dieser Impfstoff nur an Tieren getestet.
  • Der dritte Ansatz, um eine verstärkte Immunantwort auszulösen, besteht darin, den Körper zu zwingen, T-Zellen im Voraus zu produzieren, also kraftvolle weisse Blutkörperchen, die jedoch im Normalfall zu langsam aktiv werden, um eine Grippe abwehren zu können.

IST DER EINSATZ VON PARACETAMOL EINE GUTE LÖSUNG, UM EINE GRIPPE ZU BEKÄMPFEN?
Bei Grippe denkt man oft sofort an Paracetamol. In der Tat neigen wir dazu, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um die Hauptsymptome (Fieber, Erschöpfung, Muskel- und Kopfschmerzen) dieser saisonalen Virusinfektion zu bekämpfen. Paracetamol ist in Hausapotheken allgegenwärtig und gilt für viele von uns als Sofortlösung. Aber ist dieses Medikament tatsächlich wirksam?

Neuseeländische Ärzte wollten der Sache genauer auf den Grund gehen und führten eine doppelblinde randomisierte Studie mit 80 freiwilligen und an Grippe erkrankten Probanden durch, denen fünf Tage lang entweder Paracetamol (viermal täglich 1 g) oder ein Placebo verabreicht wurde. Die Probanden waren zwischen 18 und 65 Jahre alt und wiesen typische Grippesymptome auf: Fieberschübe und/oder eine Körpertemperatur über 37,8 °C, und litten seit mindestens 48 Stunden an einem oder mehreren der folgenden Krankheitszeichen: Husten, Halsschmerzen, laufende Nase, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, allgemeine Erschöpfung.

Die Forscher bestimmten die Viruslast der einzelnen Patienten. Die Körpertemperatur der Patienten wurde regelmässig gemessen und die Entwicklung der Symptome genau beobachtet. Allen Probanden wurde zudem ein antivirales Medikament und bei Bedarf zusätzlich ein schmerzlinderndes Mittel verabreicht. Der primäre Wirksamkeitsendpunkt der Studie war die jeweils nach 24, 48 und 120 Stunden gemessene Viruslast. Die Entwicklung der Fieberkurve und die anderen Grippesymptome wurden als die sekundären Endpunkte der Studie definiert.

Unabhängig von den Endpunkten konnten die Forscher schlussendlich keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen feststellen. Die Genesungszeit, der allgemeine Gesundheitszustand und auch die Schmerzlinderung nach der Einnahme von Analgetika auf Wunsch mancher Patienten waren in beiden Gruppen ähnlich.

Diese Ergebnisse bestätigen, dass Paracetamol zur Behandlung von Fieber und leichten bis mittelschweren Schmerzen bestimmt ist, jedoch keinesfalls Infektionen – vor allem Virusinfektionen – heilen kann.

HONIG IST EIN WIRKSAMES HUSTENMITTEL
Wie kann man einen schlimmen Husten wirksam behandeln? Sollten die alten Hausmittel wieder hoch im Kurs stehen? Einer kürzlich durchgeführten Studie zufolge scheint dies tatsächlich der Fall zu sein: Untersucht wurden Kinder und Jugendliche zwischen zwei und achtzehn Jahren, die im Zuge einer Infektion der oberen Atemwege seit mindestens einer Woche nachts unter Husten litten.

Vor dem Schlafengehen wurde den Probanden entweder eine einzige Dosis Honig, eine Dosis Dextromethorphan (Hustensaft) oder überhaupt keine Behandlung verabreicht. Die Eltern wurden aufgefordert, die Schwere und Häufigkeit der Hustenanfälle, die durch den Husten verursachten Beschwerden sowie die Auswirkungen des Hustens auf die Schlafqualität von Kindern und Eltern jeweils in der Nacht vor und nach der Verschreibung auf einer Skala von 0 (überhaupt keine Beschwerden) bis 6 (sehr starke Beschwerden) zu bewerten. Das Ergebnis lässt keine Zweifel zu: Bei den mit Honig behandelten Kindern gingen die Symptome am stärksten zurück, gefolgt von den Kindern, die Dextromethorphan erhalten hatten. Das Schlusslicht bildeten die gar nicht behandelten Kinder.

Ist es also besser, Husten mit Honig statt mit Hustensaft zu behandeln? Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass auch Winnie Puuhs Lieblingsspeise Nebenwirkungen haben kann: Bei 14 % der Probanden dieser Studie wurde in erster Linie von Nervosität, Hyperaktivität und Schlaflosigkeit berichtet. Aufgrund der Gefahr, an Botulismus zu erkranken, sollten Kinder unter einem Jahr keinen Honig verzehren! Botulismus, auch Fleisch- oder Wurstvergiftung genannt, wird durch die Bakterie Clostridium botulinum hervorgerufen, verläuft meist tödlich, tritt aber bei Kindern unter einem Jahr sehr selten auf. Auch Hustensäfte sollten Kindern unter zwei Jahren nicht ohne Weiteres verabreicht werden – lassen Sie sich unbedingt von einem Kinderarzt beraten!

Quelle: www.planetesante.ch