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Musiktherapie: ein sanfter Behandlungsansatz

MUSIK HILFT, DIE PFLEGE AUF EINER INTENSIVSTATION BESSER ZU ERTRAGEN
Patienten auf der Intensivstation benötigen weniger Beruhigungsmittel, wenn sie entspannende Musik hören. Stellen Sie sich vor, dass Sie auf der Intensivstation liegen und künstlich beatmet werden. Vorher litten Sie unter Atembeschwerden, beispielsweise aufgrund einer Lungenentzündung oder einer Herzinsuffizienz. Ihre Lunge war deshalb nicht in der Lage, Ihren Körper ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Die Ärzte haben aus diesem Grund einen Schlauch durch den Mund in Ihre Luftröhre eingeführt (Intubation), um Abhilfe zu schaffen. Ein Beatmungsgerät versorgt nunmehr Ihre Lunge über diesen Schlauch mit Sauerstoff, wodurch eine körperliche Erschöpfung vermieden wird. Natürlich ist eine solche Situation mehr als unangenehm. Ausserdem befinden Sie sich in einem kritischen Gesundheitszustand und das von Pieptönen, Alarmsignalen, dem Lärm der Beatmungsgeräte und den Geräuschen der anderen Patienten geprägte Umfeld der Intensivstation ist alles andere als beruhigend. Solche Situationen verursachen starke Angst. Diese wiederum aktiviert das sympathische Nervensystem welches die Herzfrequenz steigert, wodurch das Herz noch mehr Sauerstoff benötigt, obwohl der Körper bereits die grösste Mühe hat, alle Zellen mit Sauerstoff zu versorgen. In solchen Fällen werden den Patienten im Allgemeinen hochdosierte Beruhigungsmittel verabreicht, um ihnen das Atmen zu erleichtern.

MUSIK AUF WUNSCH
In den Vereinigten Staaten wandte die leitende Oberärztin Linda Chlan die Musiktherapie an, um bei einer Gruppe von 373 intubierten und künstlich beatmeten Patienten auf der Intensivstation die Angst zu lindern. Die Patienten mussten ausreichend bei Bewusstsein sein, um dem Versuch zustimmen zu können, demzufolge war die ihnen verabreichte Beruhigungsmitteldosis relativ gering. Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen eingeteilt (randomisiert): Den Patienten der ersten Gruppe wurde Musik angeboten, die Patienten der zweiten Gruppe erhielten einen Gehörschutz, und die Patienten der Kontrollgruppe wurden wie üblich ohne Musik behandelt. Die Patienten der «Musikgruppe» wurden von einer Musiktherapeutin betreut: Sie stellte ihnen ein CD-Lesegerät, einen Kopfhörer und eine Auswahl von sechs CDs mit entspannender Musik zur Verfügung. Die Musik wurde eingesetzt, sobald der Patient den Wunsch danach äusserte. Anschliessend nahm das Team von Dr. Chlan Messungen vor, die sich auf drei Kriterien stützten: den täglichen Angstlevel des Patienten auf einer Skala von 1 bis 100, die Dosis sowie die Verabreichungshäufigkeit der von den Ärzten verschriebenen Beruhigungsmittel.

MUSIKTHERAPIE SOLLTE GENERELL EINGESETZT WERDEN
Den Ergebnissen zufolge sieht es ganz so aus, als ob das gewünschte Ziel erreicht wurde: Durchschnittlich lag der Angstlevel der Patienten der «Musik-Gruppe» 20 Punkte (von insgesamt 100 Punkten) unter dem Angstlevel der Kontrollgruppe und konnte somit um relativ ein Drittel gesenkt werden. Die Musik wirkte sich auch auf die beiden anderen Messwerte aus: Nach fünf Tagen benötigten die Patienten, die Musik gehört hatten, durchschnittlich drei Gaben weniger Beruhigungsmittel, was einer Reduzierung von 38% entspricht. Dasselbe gilt für die Dosierung, die um 36% herabgesetzt werden konnte.

Im Vergleich zur «Musik-Gruppe» benötigten die Patienten der «Gehörschutz-Gruppe» deutlich weniger häufig Beruhigungsmittel, aber weder in Bezug auf die Dosierung der verabreichten Beruhigungsmittel noch hinsichtlich des Angstlevels konnte hier eine Veränderung festgestellt werden.

Quelle: www.planetesante.ch