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Was Schwangere essen, wirkt sich auf die spätere Immunabwehr des Kindes aus

Das Mikrobiom macht erneut Schlagzeilen. Wie aktuelle Forschungen amerikanischer Mediziner zeigen, beeinträchtigt eine stark fetthaltige Ernährung Schwangerer die Darmflora des Ungeborenen, was sich später auf die Immunabwehr des Kindes auswirkt.

Jeden Tag verstehen wir die Rolle des Mikrobioms besser, jener Kolonie von 90.000 Milliarden Bakterien, die vor allem unseren Darm, aber auch Haut, Zahnfleisch, Nasenschleimhäute und Nasennebenhöhlen besiedeln. In unserem Organismus erfüllt das Mikrobiom vielfältige Aufgaben, vom Schutz gegen bestimmte schwere Erkrankungen wie Diabetes bis hin zur Steuerung unserer Immunabwehr und sogar verschiedener zerebraler Mechanismen.

Angesichts der wichtigen Rolle des Mikrobioms bei der Entwicklung des Organismus untersuchte ein Team amerikanischer Wissenschaftler nun den möglichen Einfluss der Ernährung von Schwangeren auf das Mikrobiom des Ungeborenen. Ging man früher davon aus, die Umgebung des Fötus in der Gebärmutter sei steril, weiss man inzwischen, dass dem nicht so ist. Ein Teil des Mikrobioms ist in der Plazenta bereits vorhanden, ebenso wie im Fruchtwasser.

DETAILLIERTE AUFZEICHNUNGEN

Für ihre Untersuchung stellten die Forscher zunächst eine Gruppe aus 81 Schwangeren zusammen, die einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung darstellten. Ab dem 3. Schwangerschaftsdrittel bis einige Wochen nach der Geburt zeichnete man ihre Ernährung auf. Parallel dazu bildeten 82 andere Mutter-Kind-Paare mit identischen Eigenschaften eine Referenzgruppe. 

Die Schwangeren mussten einen sehr umfangreichen Fragebogen mit etwa 30 verschiedenen Kapiteln bezüglich der Zusammensetzung ihrer Ernährung und der Häufigkeit, in der sie bestimmte Lebensmittel zu sich nahmen, ausfüllen. Dabei reichten die Themen von einer eventuell einzuhaltenden besonderen Diät bis hin zum Umfang des täglichen Konsums von Milch oder Milchprodukten über Kaffee, Fruchtsäfte, Limonaden und Cerealien bis hin zu verschiedenen Kartoffelgerichten. Auch der Umfang der Obst- und Gemüseportionen wurde erfasst, ebenso wie der Anteil an Teigwaren, Reis, Fleisch oder Käse am Speiseplan.

WICHTIGE BAKTERIEN

Um Genaueres über das Mikrobiom der Neugeborenen zu erfahren, entnahmen die Forscher mehrmals Proben vom Kindspech (Mekonium) der Säuglinge. Fundierte Analysen dieser Proben ermöglichte ein DNA-Profil, mit dem die verschiedenen darin enthaltenen Bakterienarten und damit ihre Qualität ermittelt werden konnten.

Bei der Untersuchung der Proben stellten die Forscher überrascht fest, dass die relative Häufigkeit bestimmter Bakterienarten direkt davon abzuhängen schien, ob sich die Mutter in der Schwangerschaft mehr oder weniger fettreich ernährt hatte. Genauer gesagt, wirkte sich eine sehr fetthaltige Ernährung der Mutter unmittelbar auf das Mikrobiom des Säuglings aus – und zwar in Form einer höheren Konzentration an Enterokokken und einem bemerkenswerten Mangel an Bacteroides.

GUT ZU WISSEN FÜR WERDENDE MÜTTER

Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Studie: Angesichts der zentralen Rolle von Bacteroides kann eine spürbare Verringerung ihrer Konzentration die Entwicklung des Immunsystems bei Neugeborenen nachhaltig beeinträchtigen. Denn die von diesen Bakterien produzierten Polysaccharide regen die Produktion entzündungshemmender Zytokine an und tragen dadurch zu einer guten Immunabwehr im Bereich der Magenschleimhaut bei. Da Bacteroides darüber hinaus unmittelbar an der Energieaufnahme im Darm beteiligt sind, kann ein Mangel zudem die Entwicklung des Kindes verlangsamen.

Frauen mit Kinderwunsch sollten sich daher auch bereits vor der Schwangerschaft gesund ernähren, wenn Sie Ihrem Nachwuchs langfristig Gutes tun möchten.

Quelle: www.planetesante.ch / Illustration: Istock